Preise für Handgemachtes kalkulieren: Material, Zeit und Gebühren richtig einrechnen

Kurz gesagt: Der Preis für Handgemachtes ergibt sich aus den Selbstkosten (Material mit Verschnitt, Arbeitszeit, Verpackung, Anteil laufender Kosten) plus Gewinn, geteilt durch den Anteil, der nach den Plattformgebühren übrig bleibt. Beispiel Duftkerze: 12,29 € Selbstkosten ÷ 0,875 ergeben 14,05 € Mindestpreis, mit 20 % Gewinn rund 16,90 €. Plattformgebühren werden vom Verkaufspreis berechnet, nicht von deinen Kosten.

„Material plus ein bisschen was drauf“: So entstehen die meisten Preise für Handgemachtes. Das fühlt sich fair an, geht aber oft nicht auf. Die eigene Arbeitszeit fehlt, die Gebühren der Plattform fehlen, und am Ende ist viel verkauft und wenig verdient. Hier rechnest du deinen Preis einmal sauber durch.

Die Grundformel

Selbstkosten = Material + Arbeitszeit + Verpackung + Anteil deiner laufenden Kosten

Verkaufspreis = (Selbstkosten + Gewinn) ÷ (1 − Gebührenanteil)

Der zweite Teil ist wichtig: Plattformgebühren werden vom Verkaufspreis berechnet, nicht von deinen Kosten. Deshalb teilst du durch den Anteil, der nach den Gebühren übrig bleibt.

Schritt 1: Materialkosten pro Stück

Rechne jedes Material vom Packungspreis auf die Menge herunter, die du für ein Stück brauchst. Beispiel: 1 kg Wachs kostet 12 €, für eine Kerze brauchst du 200 g. Das sind 2,40 € pro Kerze.

Vergiss dabei nicht den Verschnitt: Reste, Fehlversuche, Stoff, der beim Zuschnitt übrig bleibt. Ein Zuschlag von 5 bis 10 % ist bei vielen Materialien realistisch.

Schritt 2: Deine Arbeitszeit

Hier liegt der häufigste Fehler. Miss einmal ehrlich, wie lange ein Stück dauert, inklusive Vorbereiten, Aufräumen, Fotos und Verpacken. Dann lege fest, was dir eine Stunde wert sein soll. Wie du einen realistischen Stundensatz findest, steht im Ratgeber Stundensatz berechnen.

Schritt 3: Verpackung und laufende Kosten

Karton, Seidenpapier, Etikett, Dankeskarte: Auch das kostet pro Stück. Dazu kommen laufende Kosten wie Werkzeug, Strom oder deine Shop-Gebühr. Verteile sie grob auf die Stückzahl, die du im Monat verkaufst.

Schritt 4: Gebühren der Plattform

Auf Etsy gehen bei einem normalen Verkauf meist rund 12 bis 13 % ab. Kommt der Verkauf über Offsite Ads, können es mehr als 25 % sein. Die einzelnen Gebühren und ein vollständiges Beispiel findest du in Etsy Gebühren 2026. Mit deinem eigenen Preis rechnest du es im kostenlosen Etsy-Gebühren-Rechner in Sekunden nach.

Rechenbeispiel: eine Duftkerze im Glas

  • Wachs: 200 g von 1 kg zu 12 € = 2,40 €
  • Docht: 1 von 50 Stück zu 5 € = 0,10 €
  • Duftöl: 10 ml von 50 ml zu 9 € = 1,80 €
  • Glas: 1,50 €
  • Material zusammen: 5,80 €, mit 5 % Verschnitt 6,09 €
  • Arbeitszeit: 15 Minuten zu 20 € pro Stunde = 5,00 €
  • Verpackung: 0,70 €
  • Anteil laufende Kosten: 0,50 €
  • Selbstkosten: 12,29 €

Mit vereinfacht 12,5 % Etsy-Gebühren ergibt sich:

  • Mindestpreis ohne Gewinn: 12,29 € ÷ 0,875 = 14,05 €
  • Empfohlener Preis mit 20 % Gewinn: 12,29 € × 1,2 ÷ 0,875 = 16,85 €, gerundet 16,90 €

Bei 16,90 € bleiben nach Gebühren und Kosten 2,50 € Gewinn. Zusammen mit den eingeplanten 5,00 € für deine Zeit verdienst du so rund 30 € pro Stunde.

Zum Vergleich: Viele würden so eine Kerze für 12 € anbieten. Dann bleiben nach Gebühren und Material nur 3,21 € für eine Viertelstunde Arbeit, also knapp 13 € pro Stunde, und für Gewinn bleibt nichts.

Staffel- und Großhandelspreise

Wenn ein Laden deine Sachen weiterverkaufen möchte, erwartet er meist einen deutlich niedrigeren Einkaufspreis, oft rund die Hälfte des Endpreises. Prüfe vorher, ob dieser Preis noch über deinen Selbstkosten liegt. Wenn nicht, muss entweder dein Endpreis steigen oder der Großhandel ist für dieses Produkt nicht sinnvoll. Bei Staffelpreisen für 5, 10 oder 25 Stück gilt dasselbe: Rabatt nur so weit, wie deine Marge es trägt.

Typische Fehler

  • Arbeitszeit gar nicht oder viel zu niedrig angesetzt
  • Verschnitt und Fehlversuche vergessen
  • Gebühren auf die Kosten statt auf den Verkaufspreis gerechnet
  • Preise nach Materialerhöhungen beim Lieferanten nicht angepasst
  • Kostenlosen Versand angeboten, ohne ihn im Preis einzurechnen
  • Preis nur an der Konkurrenz ausgerichtet, ohne die eigenen Kosten zu kennen

Vorlagen für deine Produktart? Im Handmade & Etsy Seller Studio gibt es Vorlagen für Kerzen, Seife & Kosmetik, Schmuck, Häkeln & Stricken, Sticken und Lasergravur, jeweils mit typischem Material und einem fertig gerechneten Beispiel. Die App zeigt Kosten pro Stück, Mindestpreis und empfohlenen Preis, für Etsy, eigenen Shop, Markt, Direktverkauf und Großhandel. Offline-App, deine Daten bleiben auf deinem Gerät, Einmalkauf ohne Abo.

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Häufige Fragen

Was ist ein fairer Stundenlohn für Handmade?

Das hängt von deinem Ziel ab. Als Untergrenze kannst du dich am Mindestlohn orientieren. Wenn es mehr als ein Hobby sein soll, brauchst du deutlich mehr, weil auch Zeit für Fotos, Nachrichten und Versand anfällt.

Meine Konkurrenz ist viel billiger. Was tun?

Nicht automatisch nachziehen. Prüfe erst, ob die Konkurrenz mit diesem Preis überhaupt etwas verdient. Oft lohnt es sich mehr, die Qualität, die Fotos und die Beschreibung zu verbessern, als den Preis zu senken.

Wie oft sollte ich meine Preise prüfen?

Immer, wenn Material oder Porto teurer wird, und sonst etwa einmal im Quartal.

Ab wann mache ich mit einem Produkt keinen Verlust mehr?

Das zeigt dir der Break-even. Wie du ihn berechnest, steht im Ratgeber Break-even berechnen.

Preise rechnen lassen statt Tabellen pflegen

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Die Gebührenwerte im Beispiel sind vereinfacht (Stand: Oktober 2026). Dieser Beitrag ist eine Rechenhilfe und ersetzt keine Steuer- oder Finanzberatung.